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Stand
26.02.2019

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zum Gemeindebrief
März bis Mai 2019

DIE GESCHICHTE DER GLOCKEN IN DER 1738 ERBAUTEN KIRCHE

Ein Kirchturm ohne Glocken ist kaum denkbar, und so hat auch unsere Odernheimer Kirche drei Glocken, die zu vielen Anlässen wie Kirchgang, Mittagszeit, Abendzeit, als Nacht- oder Totenglocke ihr Geläut zu Gehör bringen. Früher wurde diesen „akustischen Signalen" sehr viel Beachtung geschenkt. Die Glocken waren ein Teil der Heimat, ein Teil des täglichen Lebens, bei deren Klang manchem weich um Herz und Gemüt wurde, insbesondere nach längerer Abwesenheit.
Wenn man daran denkt, daß der Bauer auf dem Feld auf das Glockengeläut als zeitliche Richtschnur für seine alltägliche Arbeitseinteilung angewiesen war (er hatte keine Uhr mit auf dem Acker), kann man ermessen, welche Bedeutung die Glocken für die Menschen hatten. So waren sie — wie in vielen anderen Fällen auch — eine Hilfe für das praktische Leben. Heute hat sich das geändert. Da fühlt sich mancher sogar von ihnen gestört.

Die Geschichte unserer Glocken ist lebhaft und sehr interessant. Ja sogar die große Weltpolitik hatte ihre — meist unheilvollen — Einflüsse. Einige wichtige Episoden dieser Geschichte werden im folgenden aufgezeigt.
1738
Der neuerbaute Kirchturm erhält die beiden Glocken aus dem baufälligen Turm der reformierten Kirche, die vom Kloster Disibodenberg stammten.
Sie taten ihren Dienst bis 1882.
1882
Ein neues aus drei Glocken bestehendes Geläut wird angeschafft. In Verbindung mit dieser Anschaffung wird die größere der beiden Klosterglocken eingeschmolzen. Die kleine Glocke kommt ins Rathaustürmchen, wo sie sich noch heute befindet.

Zur Glockenanschaffung von 1882 gibt es eine amüsante Geschichte.
Der Gemeinderat hatte zunächst einen Dur-Dreiklang verlangt. Ein musikverständiger Gemeindeeinnehmer versuchte den Rat zu überzeugen, daß dies dem Wohlklang des Geläutes abträglich sei. Selbst das Abspielen von Dur- und Moll-Dreiklang auf seiner Geige vermochte die ehrwürdigen Herrn nicht umzustimmen. Der zufällig auf Urlaub vom Militär im Dorf verweilende Sohn eines Gemeinderatsmitgliedes erklärte, daß man bei der Militärmusik nur in Moll spiele. Plötzlich war es kein Problem mehr, den Rat umzustimmen. Das war natürlich ein gewichtiges Argument. Was für das Militär gut ist, kann auch für das Geläut nicht verkehrt sein.

Die Glocken von 1882 läuteten bis 1917.
1917
Zwei Glocken müssen für Kriegszwecke demontiert werden. Sie werden zur Herstellung von Kanonen eingeschmolzen.
Von 1917 bis 1925 bilden die verbliebene mittlere Glocke mit der vom Rathaus zurückgeholten Disibodenberger Glocke das Geläut.

1925
Das Geläut wird wieder vervollständigt. Das kleine Glöckchen kommt ins Rathaus zurück.
1942
In diesem Jahr trifft es die Kirchengemeinde besonders hart. Alle drei Glocken müssen zur Kriegsverwendung abgegeben werden. Erneut wird die kleine Disibodenberger Glocke vom Rathaus in den Dienst der Kirche gestellt.
1949
Ein neues Geläut wird in Betrieb genommen. Allerdings stellt sich bald heraus, daß die kleinste der Glocken in der Tonlage nicht zu den anderen paßt. Es ist erforderlich, eine neue zu gießen, um dann 1950 unser heutiges Geläut endgültig zusammenzustellen. Seit dieser Zeit hängt die kleine Disibodenberger Glocke wieder im Rathaus.


Kleine Glocke TAUFGLOCKE
auf h' gestimmt
314 kg schwer
0,83 m Durchmesser
1770,— DM
Inschrift: „Glaube"

Große Glocke TOTENGLOCKE
auf e' gestimmt
1139 kg schwer
1,25 m Durchmesser
5385,— DM
Inschrift: „Liebe, zum Gedächtnis der Toten"

Mittlere Glocke BETGLOCKE
auf g' gestimmt
700 kg schwer
1, 05 m Durchmesser
3240,— DM
Inschrift: „Hoffnung"

Glocken_Panorama

Pfarrer Schulz-Klinkenberg, Protestantische Kirchengemeinde Odernheim am Glan, D-55571 Odernheim Tel.: 06755-241,  E-Mail: pfarramt.odernheim@evkirchepfalz.de